Was ist wichtig beim Kauf einer Spiegelreflexkamera für Einsteiger?

Diese und auch weitere Fragen, habe ich mir vor dem Kauf meiner ersten eignen Spiegelreflexkamera gestellt:
Was spricht für den Kauf einer Spiegelreflexkamera für Einsteiger?
Welche (technischen) Eckdaten sind bei einem Kauf einer solchen Kamera zu beachten?
Um sich dem komplexen Thema zu nähern, hilft es immer, sich vor der Suche ein paar Gedanken zu machen.
Wie hoch ist mein Budget?
Was möchte ich fotografieren?
Am besten solltest Du Dich auch mit den verschiedenen technischen Begriffen ein wenig auseinander setzen bevor Du Dich auf die Suche DEINER Spiegelreflexkamera für Einsteiger machst.
Vor einer schnellen Entscheidung (ob im Fachgeschäft oder im Internet) rate ich aber ab. Bitte lass Dir mit Deiner Entscheidung Zeit und lies meine Tipps bitte komplett durch.

1. Der Preis:

Der Preis und auch Dein Budget spielen eine sehr wichtige Rolle. Das Hobby fotografieren kann schnell sehr teuer werden. Daher solltest Du Investitionen genau planen.
Das beginnt bereits mit dem Kauf Deiner Spiegelreflexkamera für Einsteiger. Mit der Wahl der Marke legst Du auch fest welches Zubehör zu Deiner Kamera passen wird. Die großen Marken Canon und Nikon bieten hier die größte Auswahl. Mit den passenden Anschlüssen für diese beiden Marken bieten Zubehörhersteller wie Tamron oder Sigma ihre Objektive an.

Was bedeutet eigentlich Kit? Damit ist gemeint, dass Du nicht nur den Kamerabody kaufst, sondern auch im Paket ein Objektiv (meist 11-55mm) enthalten ist. Dieses deckt eine gute Bandbreite der Brennweite ab. Für den Anfang ist es wie ich persönlich finde gut geeinet für den Einstieg in die Fotografie: von Landschaft bis Portrait ist alles möglich. Was bei vielen ein Argument dagegen ist: es ist meist relativ lichtschwach. Ich finde das aber nicht so dramatisch, da die Kombination Kamerabody und Kit-Objektiv ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Meiner Meinung nach sollte man beides zusammen kaufen, da man das Objektiv relativ günstig dazu bekommt.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Du nicht sofort ein weiteres Wechselobjektiv brauchst. Zuerst solltest Du Dich mit den Einstellmöglichkeiten Deiner DSLR auseinander setzen. Erst wenn Du sicher bist, dass die Fotografie ein Hobby von Dir sein wird, dass Du regelmäßig praktizierst, rate ich Dir dazu weitere Objektive anzuschaffen. Erst nachdem Du die Basics kannst und herausgefunden hast, welcher Bereich oder welche Bereiche Dir wirklich liegen (z.B. Portrait, Architektur, Landschaft, Tierfotografie etc..) lohnt sich die Anschaffung eines für diese Bereiche speziellen Objektivs. Bald wirst Du hier auf meinem Blog auch eine Objektiv-Beratung finden, bei der ich ein paar Objektive, die ich Dir nach dem Kauf Deiner Spiegelreflexkamera für Einsteiger ans Herz legen möchte. Ich habe mir als erstes ein lichtstarkes Normalobjektiv mit fester Brennweite gekauft . Es war nicht zu teuer, aber es bietet ein super Preis-Leistungs-Verhältnis (auch dieses Objektiv wird sich dann in der Objektiv-Beratung befinden).
Zusätzlich empfehle ich zwei Zoomobjektive mit guter Lichtstärke:

1. für den Bereich 24-70 mm (Weitwinkel bis leichtes Teleobjektiv) und

2. für den Bereich 70-200mm (Telezoom)

Die jenigen, die mehr Wert auf Lichtstärke und mehr Detailschärfe legen, würde ich empfehlen sich 3 Festbrennweiten zuzulegen: ein lichtstarkes Weitwinkel-, ein lichtstarkes mittleres Tele- und ein lichtstarkes Makroobjektiv mit Normalbrennweite. Aber hierzu bald mehr in meiner Objektiv- Kaufberatung.

Hier siehst Du das gleiche Motiv, mit der gleichen Brennweite, aber mit unterschiedlicher Blendenöffnung. Ich persönlich mag einen unscharfen Hintergrund und stelle meine Motive gerne frei.

Blendenöffnung: f/8

Blendenöffnung: f/4

Blendenöffnung: f/1.8

2. Die Verarbeitung/Habtik und Bedienung

Um eine Kamera beurteilen zu können, solltst Du nicht nur auf den Preis oder die Bildqualität achten, sondern auch auf die Verarbeitung und Bedienung. Spiegelreflexkameras für Einsteiger sind in der Regel aus Kunststoff gefertigt, semiprofessionelle Modelle aus dem robusten Leichtmetall Magnesium. Die meisten Profikameras sind zusätzlich gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.
Kunststoffgehäuse können Pluspunkte beim Handling sammeln und auch wertig verarbeitet sein. Besonders solltest Du auf die Form und Haptik der Handgriffe und der gummierten Griffflächen im Bereich des Daumens achten. Deine Spiegelreflexkamera für Einsteiger solltest Du gerne in die Hand nehmen wollen und lange halten können. Bevor Du Dich also für ein Modell entscheidest, wäre es super, wenn Du verschiedene Modelle in die Hand nehmen könntest, um heraus zu finden welche sich in Deinen Händen gut anfühlt.
Um schnell Änderungen der Kameraeinstellungen vornehmen zu können, ist ein Schnellzugriffsmenü (Quick-Access-Menü) von Vorteil.

Achte auch auf einen eingebauten Bildstabilisator. Um verwackelten Bildern vorzubeugen ist dieser von Vorteil. Besonders wichtig ist er bei langen Belichtungszeiten und starken Telebrennweiten. Es gibt auch Objektive in denen ein Bildstabilisator eingebaut ist. Aber wie gesagt nicht in allen. Daher ist es besser, wenn er in der Kamera eingebaut ist.

Bei den meistem Einsteigermodellen ist die Größe des Displays (ca. 3 Zoll) fast gleich groß. Man unterscheidet hier zwischen einem RGB-Display und einem RGBW-Display. Bei einem RGB-Display (eine hohe Auflösung von mehr als 300.000 RGB-Bildpunkten oder mehr sind hier Standard) wurden Pixel in den Farben rot, grün und blau verwendet. Der Vorteil eines RGBW-Displays ist, dass hier auch noch weiße Pixel zu den Pixeln in den Grundfarben verbaut wurden. Dadurch wird das Display heller und Bilder können dann besser bei Tageslicht beurteilt werden. Bei einigen Modellen ist das Display dreh- und schwenkbar. Dieses zusätzliche Detail ist ein großer Vorteil für Aufnahmen in schwiergien Positionen z.B. über Kopf oder in Bodennähe. Ein weiteres Standardfeature ist die Live-View-Funktion. Das aktuelle Sensorbild wird auf dem Display angezeigt.

Bei vielen Kameramodellen gibt es ein Ausstattungsfeature das sich „mobile Kommunikationsfähigkeit“ nennt. Dieses Feature bietet viele Möglichkeiten. Mit WLAN und NFC (Nahfeldkommunikation) kannst Du Deine Bilder schnell und einfach in die sozialen Netzwerke hochladen und teilen. Darüberhinaus kannst Du Deine Kamera über ein Smartphone oder Tablet mit einer passenden App fernsteuern.

D3400 von Nikon:

3. Die verschiedenen Sensoren

Grundsätzlich unterscheidet man bei Spiegelreflexkameras zwischen APS-C-Format und Vollformat.
Je größer der lichtempfindliche Sensor in der Kamera ist, desto rauschärmer und lichtempfindlicher ist er bei vergleichbarer Auflösung.
Das APS-C-Format bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und wird daher in den meisten gängigen Kameramodellen verarbeitet. Wobei in den Profimodellen der deutlich teuere Vollformatsensor eingebaut wird.
Innerhalb der großen Systeme von Nikon oder auch Canon können Objektive bei verschiedenen Kameras mit unterschiedlich großen Sensoren eingesetzt werden. Dabei ist aber zu beachten, dass sich der Bildausschnitt ändert. Bei einem APS-C-Sensorformat ist stets der Crop-Faktor zu beachten. Das hört sich komplizierter an als es wirklich ist. Näheres hierzu findest Du auch bald mehr in meiner Objektiv-Kaufberatung.

4. Die ISO-Empfindlichkeit

Sie sagt aus, wie lichtempfindlich der Sensor eingestellt werden soll. Eine kleine Zahl bedeutet hier, dass du relativ viel Licht zur Verfügung hast und daher der Sensor nicht so lichtempfinlich sein muss. Je höher diese Zahl ist, desto lichtempfindlicher wird der Sensor. Ein großer Vorteil bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Nacht. Was aber hier zu beachten ist, dass mit höherer ISO-Zahl auch schnell Bildrauschen entstehen kann.
Eine Spiegelreflexkamera für Einsteiger hat meist weiniger ISO-Stufen als ein Profi-Modell. Wo bei Deiner Spiegelreflxkamera das Bildrauschen beginnt, solltest Du unter verschiedenen Bedingungen testen. Erst dann kannst Du das Bildrauschen auch als Gestaltungselement gezielt einsetzen. Ich persönlich finde es ehrlich gesagt in einigen Fällen sogar unterstützend um eine gewisse Bildaussage zu erzielen oder zu unterstreichen. Aber keine Sorge, in einigen Bildbearbeitungsprogrammen kann man (wenn man in RAW geschossen hat) auch nachbearbeiten oder reduzieren.

ISO 100

ISO 800

ISO 1250

5. Das Gewicht

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Gewicht. Wenn Du mit Deiner Kamera unterwegs sein wirst, nimmst Du sicherlich nicht nur Deine Kamera und ein Objektiv mit. Ich habe am Anfang immer mein Spicktzettel, meine Kamera-Anleitung und mein Notizbuch mitgenommen. Das Gewicht summiert sich. Wenn du die Kamera nicht ständig ein und auspacken möchtest und das Wetter mitspielt, wirst Du sie in der Hand oder mit einem Tragegurt tragen. Wenn dann Deine Kamera ein gewisses Gewicht mitbringt, werden die Arme schnell mal schwer.
Die meisten Spiegelreflexkameras für Einsteiger wiegen zwischen ca. 450gr. und knapp 900gr. (ohne Objektiv). Daher solltest Du nicht nur auf die technische Ausstattung achten, sondern auch wie schwer die Kamera ist.

6. Der Autofokus, die Messfelder und Auslösungen bei Serienaufnahme

Ein schneller und präziese arbeitender Autofokus ist sehr wichtig, vorallem bei bewegten Objekten, die Du fotografieren möchtest. Aber was bedeutet eigentlich Autofokus?
Der Autofokus stellt das Objekt, das Du mit Deinem Fokusfeld markiert hast automatisch scharf (wenn du z.B. im AV-Modus fotografierst). Wieviele Felder Du für den Autofkus hast hängt wiederrum von Deiner Kamera ab.
Hier bieten aktuell die Nikon-Modelle einen kleinen Vorteil. Die D3400 von Nikon hat z.B. einen 11-Feld-Autofokus und die EOS200D von Canon nur einen 9-Feld-Autofokus. Darüberhinaus finde ich persönlich auch noch wichtig, zu wissen, wieviele Bilder in einer Sekunde im Serienmodus aufgenommen werden können. Besonders bei bewegten Objekten (oder bei Kindern) ist es oft nicht einfach den richtigen Moment zu erfassen und wenn dann die Kamera diesen besondernen oder wichtigen Moment verpasst, weil sie zu langsam ist oder schlicht weg nicht genug Bilder in der Sekunde produziert, ist das sehr ärgerlich. Ich persönlich habe mit 5 Bildern in der Sekunde sehr gute Erfahrungen gemacht.

7. Sind denn auch Videos möglich?

Mittlerweile bei allen Spiegelreflexkameras für Einsteiger Standard. Hier solltest Du aber auch drauf achten, wieviele Bilder die Kamera hier verarbeiten kann.

8. Die Pixel

Ein klarer Vorteil einer Spiegelreflekamera gegenüber einer Kompaktkamera ist die Auflösung. Diese liegt zwischen 12 und 24 Millionen Pixeln (Megapixel, MP).

9. Reinigung und Wartung der Kamera und des Equipments

Die meisten Kameramodelle sind weder staub noch wasserdicht. Daher ist ein sorgsamer Umgang mit der Kamera von Nöten. Um hässliche dunkle Flecken auf den Bildern zu vermeiden, solltest Du den Sensor und Deine Objektive regeläßig reinigen. Hierfür gibt es Tücher und spezielle Reinigungssets.

In einigen Spiegelreflexkameras wurde mittlerweile die Sensorreinigung als integrierte Funktion eingebaut. Ansonsten bieten auch viele Fachgeschäfte oder Service-Points einen Reinigungsservice an. Bevor Du dort Deine Kamera abgibst, solltest Du aber den Preis für einen solchen Service erfragen.

Reinigungsset

10. Welches Zubehör ist gleich nach dem Kauf einer Spiegelreflexkamera für Einsteiger wirklich notwendig?

-eine Kameratasche, ein Kamerarucksack oder ein Tascheneinsatz (am besten wasserdicht oder mit Regenhaube)
-SD-Karten
-mind. 1 Ersatzakku
-Reinigungsset

Kein absolutes Muss, optional finde ich diese beiden Sachen wichtig:

-Stativ (auch kompaktes Reisestativ möglich)

-Fernauslöser

Mit einem Stativ und einem Fernauslöser lassen sich viele tolle Ideen umsetzen: z.B. Selbstportrait, Fotos bei Nacht oder Langzeitbelichtungen. Es gibt auch hier ein paar Alternativen und was Du beim Kauf vom Zubehör allgemein beachten solltest. Dies und noch vieles mehr wird es hier für Dich bald auf meinem Blog geben.

Um Dir leichter eine Übersicht zu den unterschiedlichen Modellen und einer der oben genannten technischen Ausstattungen zu verschaffen, hab ich Dir hier ein paar Modelle in einer Tabelle zusammengefasst.



Wenn Dir diese Tips weitergeholfen haben und Dir dieser Beitrag gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn Du ihn teilst.

 

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